5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen

Ein glückliches und erfülltes Leben leben, auf das wir am Ende ohne Reue, Bedauern oder Wehmut zurückblicken können? Ist scheinbar gar nicht so einfach. Wie sonst schaffte es ein Buch mit dem Titel „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ auf die Bestsellerlisten? Und warum habe ich mir ebendieses Buch gekauft? Muss ich mich wirklich mit dem Tod beschäftigen, um das Leben noch bewusster leben zu können?

Theoretisch weiß ich doch, dass viele meiner kleinen Ärgernisse die Energie nicht wert sind, die ich aufwende, um mich „so richtig“ zu ärgern. Ja, es ist ärgerlich, wenn mir der Bus vor der Nase wegfährt oder ich meinen Regenschirm vergessen habe und nun klatschnass werde. Aber kurz darauf ist es auch schon wieder vergessen. Und am Ende meines Lebens werde ich sicher auch nicht bereuen, dass mir im Schlussverkauf diese tolle Designerhandtasche vor der Nase weggeschnappt wurde. Oder dass ich nicht den fünfzehnten schwarzen Pullover gekauft habe, der mein Leben erst perfekt gemacht hätte.

Ich wünschte, ich hätte…

Aber zurück zum Buch von Bronnie Ware. Die australische Palliativkrankenschwester hat viele Menschen in den letzten Wochen ihres Lebens begleitet. Und dabei festgestellt, dass viele ihrer Schützlinge am Lebensende mit sich hadern und nur wenige von ihnen entspannt zurückblicken können. Trotz unterschiedlichster Lebensgeschichten heißt es am Ende des Lebens viel zu oft:

  • Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mir selbst treu zu bleiben, statt so zu leben, wie andere es von mir erwarten.
  • Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet.
  • Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen.
  • Ich wünschte, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden gehalten.
  • Ich wünschte, ich hätte mir mehr Freude gegönnt.

Über fehlenden Mut…

Schon beim ersten Punk gerate ich ins Grübeln, weil mich die Geschichte von Grace bewegt.  Grace war über fünfzig Jahre lang mit einem tyrannischen Ehemann verheiratet, dessen Wünschen sie sich fügte. Sie opferte sich für die Familie und den Haushalt auf, zog die Kinder groß und träumte währenddessen davon, unabhängig zu leben. Vielleicht auch zu reisen. Als Grace über 80 ist, wird ihr Mann ins Pflegeheim eingewiesen. Und Grace – bisher trotz des hohen Alters immer fit und gesund – beschließt, jetzt endlich zu leben. Kurz darauf diagnostizieren die Ärzte bei ihr eine unheilbare und rasch voranschreitende Krankheit. Auch bedingt dadurch, dass sie jahrzehntelang Passivraucherin an der Seite ihres Zigarette rauchenden Mannes war. Grace ist verbittert und wütend auf sich selbst, weil sie nie den Mut hatte, ihr Leben zu leben, als sie es noch leben konnte. Immerhin gibt sie Bronnie folgendes mit auf den Weg:

„Lassen Sie niemals zu, dass irgendjemand sie von dem abhält, was Sie wollen.“

… und Mutmacher

Bronnie berichtet allerdings auch von Menschen, die friedlich starben und mit sich und ihrem Leben im Reinen waren. Ihnen war es vorher gelungen, die Lebensumstände zu ändern und für sich zum Guten zu wenden. Ein beeindruckendes Beispiel hierfür ist die (nicht im Buch auftauchende)  Mutter des bekannten Achtsamkeits-Trainers John Kabat-Zinn. Sie machte im Alter von 80 Jahren das, wofür ihr vorher nach eigenen Angaben der Mut fehlte. Sie verließ ihren Ehemann, zog in eine andere Stadt und hatte mit 95 Jahren ihre erste Kunstaustellung.  Nun, mit 100 Jahren, lebt sie zufriedener als je zuvor. Auch wenn das Alter seinen Tribut zollt und sie heute nicht mehr zeichnet.

Das Buch „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ wirft Fragen auf. Unbequeme Fragen. Und das ist gut so. Weil es nie zu spät ist, um zu überlegen, worauf es einem selbst wirklich ankommt.

Weil Sie sterben werden, müssen Sie jetzt leben. Und ob Sie verkümmern oder aufblühen, liegt alleine in Ihrer Hand.

Anmerkung: Kein Sponsoring. Das Buch habe ich selbst gekauft. Der Text erschien erstmals auf Instahelp und wurde hierfür leicht überarbeitet.

Fotocredits: Beitragsbilder erstellt mit Canva