Instagram für Dummies

#kann Spuren von Ironie enthalten

Früher, also vor ca. einem Jahr, dachte ich, dass es kaum etwas Frustrierenderes geben könne, als via Blog oder Instagram diese High-Fashion-Frauen anzuschauen, die immer „das Richtige“ tragen und – das muss ich neidlos anerkennen – darin auch eine richtig tolle Figur machen. Dann landete ich bei den Design-Terroristas die sich dem Thema „Wohninspirationen“ verschrieben haben und musste erkennen, dass ich weitaus mehr Problemzonen habe als Kopf (innen), Bauch (außen) und Oberschenkel (auch außen).

Ich würde sogar sagen, dass meine Oberschenkel in akzeptablerem Zustand sind als die Küche oder das Bad. Ach was: die komplette Wohnung ist Schrott! (Ja, Wohnung. Kein Haus und kein Loft. Damit fängt’s doch schon mal an…) Nun kann ich verschiedene Körperpartien mit entsprechender Kleidung hübsch einpacken. Was mache ich aber mit der Wohnung?! Ein Couchüberwurf ist nicht das Äquivalent zur Chanel-Strickjacke und ich bin auch nicht Christo, der das als Kunst verkaufen kann. Was nun? Klare Sache: Ehe ich überhaupt noch irgendwen zu mir nach Hause einlade, wird mein potenzieller Gast folgende Fragen beantworten müssen:

1.Hast du jemals Wohnblogs/entsprechende Instagramfeeds konsumiert?

Ja[ ] Nein [ ]

2.Gaubst du, dass es in der Durchschnittswohnung so auszusehen hat, wie in Blogs/auf Instagram dargestellt?

Ja[ ] Nein[ ] Vielleicht[ ]

Lautet die Antwort nicht zweimal NEIN, lautet meine Antwort leider: „Gut. Wir treffen uns im Dönerladen umme Ecke.“ Vorher muss ich allerdings noch mal schnell schauen, was man derzeit so trägt, wenn man eine derartige Location aufsucht. Dönerläden sind ja bei den Fashionistas auf Instagram echt unterrepräsentiert. Sollten vielleicht mal ein paar PR-Samples raushauen, damit das besser läuft. Oder das Fleisch gegen Tofu austauschen und das Getränkerepertoire um grünen Tee und Smoothies erweitern, um eine neue Zielgruppe anzusprechen.

 

How to: Instagram – #so wirst auch du erfolgreich!

So sehr ich Hobby-Instagrammer über manch durchkomponierten Instagram-Feed grinsen muss, so sehr irritiert es mich doch, dass ich bei unter 10 Followern rumdümpele, während andere, die kaum länger dabei sind als ich, ratzfatz die 500er-Marke kratzen! Was mache ich falsch?! Es liegt an mir! Ich bin blöd, hässlich und mein Leben stinklangweilig. Das wusste ich vorher, aber nun werde ich dafür abgewatscht. Aber nicht mit mir. Ich habe den Profis mal über die Schulter gelinst und mir ein paar Verhaltenstipps abgeschaut und die für euch – und vor allem für mich!!! – aufbereitet.

Die Instagram-Basics…

  • Zur perfekten Ausrüstung gehören: Apple-Teile (Mac + iPhone), Duftkerzen (aber nur richtig teure, deren Namen ich immer wieder vergesse – mindestens aber Yankee Candle), Kosmetik (Lippenstift, Nagellack), kuschelige Overkness (Kaschmir), Schmuck, Schuhe (Marke, Marke, Marke! Wahweise Sneakers oder Heels!) Tassen (Greengate geht immer, Krasilnikoff ist auch okay – ich habe beides), Taschen (nur Markentaschen, gerne Louis V. oder Michael K.), Zeitschriften (Mode, am besten die Vogue oder die InStyle. Oder die Heritage Post als Zeichen für einen exklusiven Geschmack).
  • Für die Deko: Frische Blumen, Blüten aller Couleur, Perlen, Glassteinchen, Glitzerzeug. Arrangiert wird das wie zufällig ins Bild gepurzelte Zeug wahlweise auf schneeweißem Untergrund (Schreibtisch, Teller) oder auf richtig rustikalem Holz.
  • Locations: im Bett (weiße Bettwäsche – unbedingt auf genau die richtige Art zerwühlt, dazu Overknees zu gebräunten Beinen und obenrum ein Seiden/Spitzenfummelchen plus Cardigan, Tasse in der Hand halten und es #cozy, #lazy(afternoon) nennen. Und, wenn ihr sehr hübsch ausschaut, noch #beauty, #instabeauty etc. dranhängen. Alternativ: im Flur vor dem Ganzkörperspiegel, im Hintergrund ist mindestens ein Paar Designerheels (#valentinorockstud) zu sehen. Hashtags: #ootd und evtl. Markenauflistung der einzelnen Outfitbestandteile. Auch gut: im Café (#coffee, #coffeelover) oder im Fitnessstudio – alternativ in stylishen Trainingsklamotten vor dem heimischen Ganzkörperspiegel (#fit, #healthy, #healthyliving, #healthylive, #gymlove, #fitforlife, #fitnessjunkie).

 

Hashtags und Motive…

  • Stillleben: Läuft immer. Benötigte Accessoires: Kaffeetasse (gefüllt), Blumenstrauß, Coffee Table Book (bei mir heißen die eigentlich Bildband, aber ich möchte euch nicht mit altertümlichen Ausdrücken verwirren) und hübsch anzuschauende Süßigkeiten – am besten original aus Paris eingeflogene Macarons von Ladurée. Oder umwerfende Cupcakes (10 Millionen Cupcake-Beiträge derzeit!) – gibt übrigens aus der Tiefkühltruhe auch hübsche Cupcakes von Coppenrath&W, müsst ihr ja niemandem erzählen, woher die sind. Für die Fitnessjunkies: frisch gepressten Saft, Müsli mit Obst (ähem… #breakfastbowl) und ein Sport- oder Fashionmagazin. Die Hashtags ergeben sich von alleine (s.o. Locations) aber denkt dran: max. 30 verwenden.
  • Auch gut ist Kosmetikgedöns: Vielleicht gleich vom letzten Shoppingflash (#haul, #newin) – das aber bitte ansprechend angerichtet auf rustikalem Untergrund mit ein paar zarten Blüten drumrum (der Kontrast ist wichtig!). Alternativ funktioniert alles, was schreit: „Hallo, hier ist die Dependance von Prinzessin Lillifee“ und ich darf das, #weilicheinmädchenbin. Also Kosmetik zu weißem Tellerchen/Schälchen (Ikea oder anderes nordisches Design ist immer gut) anrichten und dazu Perlen, Blüten, Glitzer, Plüsch gewollt ungewollt arrangieren. Hashtags: #beauty, #essentials, #lipstick und für Nelfies (=Nagellack-Selfies) #notd und evtl. noch alle Marken als Hashtag. Da nicht davon auszugehen ist, dass die Marken von allen richtig geschrieben werden, empfehlen sich auch Hashtags mit den falschen Schreibweisen einer jeden Marke: z.B. #versatsche, #fersatsche, #diohr, #chanelle. Sicher ist sicher. (Und nun bekommt die falsche Schreibweise mal wieder aus’m Kopf. Viel Spaß dabei.)
  • Essen geht immer: Es ist nur kein Essen mehr, sondern #eeeeeats oder #foodporn [überhaupt ist alles #porn! Himmel und/oder Wolken sind nicht einfach #sky oder #clouds – sie sind #cloudporn und #skyporn. Gleiches gilt für Blumen (#flowerporn), Smoothies (#smoothieporn) und so gut wie alles. Wie gesagt: es ist alles #porn, nur der echte P. ist verboten, weil IG eine saubere Plattform ist]. Aber zurück zum Essen: das ist idealerweise #healthy, #fitandhealthy, #fresh, #homemade oder eine #lunchbowl. Eine einfache Obst- oder Müslischale geht gar nicht mehr. Es muss schon eine #breakfastbowl mit frischen/möglichst exotischen Zutaten sein. Ihr habt nur einfaches Obst? (Was wollt ihr dann bei Instagram?!) Dann schneidet das bitte in die appetitlichsten Häppchen, als käme die Queen (setzt man der überhaupt Obst vor oder ist das Majestätsbeleidigung?) zu Gast. Auch immer gut: Smoothies (#smoothies, #fresh, #drink) – aber denkt bitte dran: das Auge isst mit und das Auge hat keine Ahnung, ob das zusammengemixte Zeug lecker oder gesund ist. Nur ausschauen muss es gut, capiche?
  • Herzchengarant Tassen und Blumen: Mit Tassen (#coffee, #coffeelover) seid ihr auf der Herzchenseite. Völlig wurscht, ob die Tasse gut oder der Kaffee lecker ausschaut – die Kaffeetasse ist der Herzchengarant schlechthin, gerne auch kombiniert mit einem #gutenmorgen. Ich mache das im Rahmen meiner Einfallslosigkeit gerne mal und es funktioniert immer.
  • Blumen gehen immer! Perfekt nach einer langen Winterpause ist alles, was „Frühling!“ schreit, wobei Blumen (#instaflowers, #flowerstagram, #flowers ) ganzjährig gehen und es eine Selbstverständlichkeit ist, dass der Erfolgsinstagrammer immer einen tollen Blumenstrauß griffbereit hat. Oder einen ganzen Blumenstand. Sind die Blumen nicht in der richtigen (welche ist das eigentlich? Ich habe keine Ahnung…) Vase arrangiert, sondern freilaufend, weil ihr extra für einen super Schnappschuss (#ebenamwegesrand) zur Tulpenblüte nach Holland gefahren seid, verseht ihr sie zusätzlich mit #landscape, #landscapelovers, #nature und #naturelovers.
  • Wenn euch gar nichts einfällt, um am Geschehen teilzunehmen, ihr aber eure tägliche Herzchendosis benötigt, funktionieren #instadaily oder #photooftheday (#potd) und es ist völlig wurscht, welches Motiv damit verhashtaggt wird. Alternativ richtet ihr die Kamera auf eure Schuhe und hashtaggt das mit #fromwhereistand. Und nein, fragt mich bitte nicht nach dem Sinn, das ist eben so. Hier wird nichts hinterfragt, weil wir auf Instagram sind und nicht bei Utopia.

 

Ohne Hashtags läuft nichts…

  • Der perfekte Hashtag um altes Zeug unters Onlinevolk zu bringen – gewissermaßen der Diaabend bei Oma – ist #thowbackthursday (#tbt) oder alternativ #latergram. Korrekterweise sollte wohl ein Großteil der Bilder diese Hashtags tragen. Die sorgsam arrangierten, erst mit der Kamera eingefangenen, dann am PC bearbeiteten und anschließend wieder hochgeladenen und eventuell noch mit einem Filter versehenen Kompositionen werden ja selten zeitnah rausgehauen – also bei mir nicht – aber wenn ihr bei Instagram rumpingeln wollt, könnt ihr das auch gleich lassen oder zu Snapchat gehen.
  • Tags, die immer gehen: #selfie, #happy, #beautyful, #instamood oder #instagood. Und die Top 100 der Insta-Hashtags findet ihr hier: websta.me/hot. Auf Platz 1 steht derzeit übrigens #love.

Ihr wollt mehr Abonnenten?

Richtig viele? Dann müsst ihr erstmal jedem folgen. Jedem. Wie bitte? Aber die Bilder sind voll hässlich und ihr interessiert euch null für die Person? Egal. Augen zu und klick. Dieses inflationäre Verfolgen macht natürlich umso mehr Eindruck, je mehr Abnonnenten ihr bereits habt (ich weiß, jeder fängt mal klein an, das ist ja der Mist). Denn ein kleines Instalichtlein fühlt sich natürlich waaaahnsinnig geschmeichelt, wenn ihm ein großer Fisch folgt – also folgt es mit ziemlicher Sicherheit zurück.

Da es aber wesentlich cooler aussieht, 30.000 Abonnenten zu haben, als 30.000 Instagrammern zu folgen, müsst ihr den kleinen Lichtlein nach einer Weile logischerweise wieder klammheimlich entfolgen. Aber Vorsicht, manche nehmen so ein Verhalten echt übel und entfolgen euch prompt wieder. Es gibt sogar Apps, mit denen sich überprüfen lässt, wer einem entfolgt ist, aber das nur am Rande.

Ihr instagrammt euch einen Wolf, hashtaggt, was das Zeug hält, aber trotzdem verirrt sich kaum ein neuer Abonnent zu euch? Dann könnt ihr z.B. mit #follow4follow (#followforfollow), #followme oder #tags4like (#tagsforlikes) nachhelfen.

So. das ist doch ne Menge Input auf dem Weg zum erfolgreichen Instagrammer, oder?

#istdasnichtsupi?

#wirwerdenalleberühmt!

#yeah!!! 😉

 

P.S: Einen wirklich tollen und umfangreichen Post zum Thema findet ihr bei Carina auf 180 Grad: Wie du zur Instagram Queen wirst

Fotocredits:Grafik erstellt mit Canva


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